Historische Frauen: Sophie Sager

Eine Visionärin die Rechtsgeschichte schrieb

Sophie Sager (1848-1901) wurde in einer wohlhabenden Familie geboren, musste aber nach dem Tod ihres Vaters das Haus arm und mittellos verlassen. Sie fährt nach Stockholm in der Hoffnung, eine Näherei zu eröffnen. Das Zimmer, das Sophie gemietet hat, entpuppt sich als Unterkunft sowohl für eine Taverne als auch für ein Bordell. Sophie ist verzweifelt und streift wild durch die Straßen Stockholms. Abends allein unterwegs zu sein ist nicht einfach, Männer gehen davon aus, dass sie sie zu kaufen ist und verfolgen und belästigen sie. Eines Abends kommt ein älterer Mann auf sie zu und bietet ihr an, mit einer Frau in das Haus zu ziehen, in dem er lebt. Sophie ging auf das Angebot ein, was sie bitter bereuen würde. Stallmeister Möller, wie er heißt, sperrt sie ein, missbraucht sie schwer und versucht sie zu vergewaltigen. Sophie gelingt die Flucht und sucht einen Arzt auf, der ihre die lebensbedrohlichen Verletzungen dokumentiert. Da sie als unverheiratete Frau unmündig ist, hilft er ihr, eine Anzeige gegen Möller bei der Polizei zu machen.

Der Sager-Fall findet große Beachtung in der Presse, wo Sophie verspottet und als verrückt bezeichnet wird. Die Tatsache, dass eine Frau freiwillig eine Vergewaltigung gemeldet hat, ist in dieser Zeit sehr ungewöhnlich, da Vergewaltigung im Wesentlichen als Schuld des Opfers angesehen wird und mit großer Schande verbunden ist. Aber Sophie selbst führt ihren Fall, und obwohl ihre Geschichte vom Gericht verspottet und hinterfragt wird, können sie ihre umfangreichen Verletzungen nicht ignorieren. Möller wird zu einer Geldstrafe verurteilt, und der Prozess wird als erster Vergewaltigungsfall in Schweden mit einem Verurteilten bekannt.

„Beurteilen Sie selbst, wenn Sie eine wehrlose Frau allein und ohne Bargeld und Unterkunft wären, ob Sie dieses Angebot nicht angenommen hätten, wenn es nichts anderes gäbe?“

Sophies Antwort auf die Frage, ob sie sich nicht selbst die Schuld geben könne, da sie freiwillig bei Möller einzog.

Sophie vergaß nie ihre Verletzlichkeit als junge Frau und kämpfte den Rest ihres Lebens für die Rechte der Frauen. Sie glaubte an Ausbildung und das Recht der Frauen sich in der Gesellschaft frei zu bewegen. Nachdem ich einige ihrer sehr gut geschriebenen Texte gelesen habe, kann ich mit Sicherheit sagen, dass sie alles andere als träge oder verrückt war. Obwohl sie ihrer Zeit weit voraus war, ist ihr Traum von einer vernünftigeren Welt, 170 Jahre später, für viel zu viele Frauen immer noch nur ein Traum.

Ist es mit der Gleichstellung zu weit gegangen?

Der Herbst 2017 mit #metoo und all den Millionen von Geschichten die an die Oberfläche kamen, führte in vielen Teilen der Gesellschaft zu einem Aufwachen. Ich habe Hoffnung für die Zukunft meiner eigenen Kinder und ihre Möglichkeit sich anders miteinander zu verhalten als wir es taten als ich aufgewachsen bin.

Aber hin und wieder taucht jemand in der Debatte auf, der behauptet, dass dieses Ding mit Feminismus und Gleichstellung der Geschlechter wirklich zu weit gegangen ist! Ich frage mich, kann es wirklich zu weit gegangen sein? Ja, möglicherweise, fall eines oder mehrere der folgenden Dinge passiert sind, nämlich:

  • dass Frauen deutlich mehr verdienen als Männer.
  • dass es mehr Frauen als Männer gibt, die sich zu wichtigen Themen in den Nachrichten äußern.
  • dass Männer viel mehr Verantwortung für das Heim und die Kinder übernehmen als Frauen.
  • dass Frauen in mächtigen Geschäftsführerpositionen häufiger sind als Männer.
  • dass es für eine Frau im Allgemeinen einfacher ist, in angesehenen Berufen an die Spitze zu gelangen.
  • dass Frauen die Kriminalstatistik dominieren und dass der gefährlichste Aufenthaltsort für einen Mann sein eigenes Zuhause ist.

Soweit ich weiß, ist nichts davon passiert. Jeder von euch, der sich also fragt ob die Gleichstellung der Geschlechter möglicherweise außer Kontrolle geraten ist, kann in Ruhe jegliche Besorgnis loslassen.

PS: Ich weiß, dass Geschlechterrollen auch Männer negativ beeinflussen. Ich schreibe zum Beispiel mehr darüber in diesem früheren Beitrag.

Historische Frauen: Astrid Lindgren

Kein Häuflein Dreck

Man kann wohl nicht über historische schwedische Frauen sprechen, ohne Astrid Lindgren (1907-2002) zu nennen, oder? Sie ist mein großes Idol, natürlich als Schriftstellerin, aber noch mehr für die Menschlichkeit für die sie stand. Ihre Bücher sind auf der ganzen Welt berühmt, aber wieviel weiß man eigentlich über den Menschen Astrid außerhalb Schwedens? Zumindest hier zu Hause hatte sie eine einzigartige Rolle als Meinungsführerin und hat zu strengeren Tierrechtsgesetzen und Regierungswechsel beigetragen und führte natürlich einen ständigen und unermüdlichen Kampf für die Rechte der Kinder.

Eines ihrer berühmtesten Zitate lautet: „Es gibt Dinge, die man tun muss, auch wenn sie unangenehm und gefährlich sind und man sie am liebsten vermeiden würde, sonst ist man kein Mensch, sondern nur ein Häuflein Dreck.“ Astrid Lindgren war eine mutige Person mit diesem Bullerbü-Kind, das ständig in ihr lebte. Sie verlor nie diesen intuitiven Sinn, was es bedeutet ein Kind zu sein. Sie, die gezwungen war ihren unehelichen Sohn bei der Geburt zu verlassen, schrieb immer wieder über das Recht des verlassenen Kindes auf Liebe und Sicherheit. Sie brach viele Normen ihrer Zeit und ließ die Jungen oft klein und verletzlich erscheinen, während ihre Geschichten voller starker und unabhängiger Mädchen wimmelten.

Astrid wünscht sich eine Brechstange, als sich herausstellt, dass sie über 100 Prozent Steuern zahlt. Sie beabsichtigt, einen Teil des Geldes zurück zu stehlen.

1978 erhielt sie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und schrieb eine Rede zum Thema „Niemals Gewalt!“. In der Rede, die damals in Deutschland sehr kontrovers war, schreibt sie heftig gegen Gewalt, Prügel, Disziplin und unterdrückende Erziehungsmethoden. Zuerst wollten man sie davon abhalten, die Rede zu halten, aber als sie drohte, nicht bei der Zeremonie zu erscheinen, war sie trotz allem doch willkommen.

„Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber soll das geschehen und wo sollte man anfangen? Ich glaube wir müssen von Grund beginnen. Bei den Kindern…“

Astrid Lindgren

Über Astrid Lindgrens Taten gibt es so viel zu schreiben, dass ich es wahrscheinlich in viele kleine Texte anstatt in einen aufteilen muss. Ich erinnere mich an den Tag, an dem Astrid starb, an die schwarzen Schlagzeilen, die die Todesnachricht verkündeten, als ich auf dem Weg zur Schule ging. Obwohl sie alt war, war es sehr traurig, dass eine so starke Stimme für die Kinder zum Schweigen kam. Beim Internationalen Frauentag am 8. März 2002 wurde Astrids Sarg mit Pferd und Kutsche durch Stockholm getragen. Die Straßen wurden von Hunderttausenden Menschen flankiert, die sich verabschieden wollten. Ganz hinten ging ein ungesattelter weißer Hengst.

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