#24: Ein friedvolles Weihnachtsfest

Guten Morgen und frohe Weihnachten alle netten LeserInnen! Heute öffnen wir das allerletzte Fenster in meinem Lichtkalender, ich bin so froh, dass ihr im Dezember so oft reingeschaut habt! Ein wirklich herzliches Dankeschön dafür. Ich denke, dass man heute nichts leisten muss, sondern nur spüren kann wie der Weihnachtsfrieden hoffentlich eintrifft. Aber eine kleine Sache könnten wir tun:

Denke an ein Kind, das deine Welt verändert hat.

Ich denke an viele Leute. Meine Freundin Jessica, über die ich schon einmal geschrieben habe. Und meine Freundin Pernilla, die ich im Alter von fünf Jahren kennengelernt habe. Sie hat meine Welt wirklich so viel lustiger gemacht, voll mit ihrer atemberaubender Fantasie und überschwänglicher Energie. Sowohl meine Mutter als auch ich erinnern sich, wie Pernilla und ich nie aufgehört haben, in meinem Zimmer zu lachen. Aber dann gibt es natürlich noch drei andere Kinder, die mich am meisten verändert haben.

Zuerst, Julius, so klein, mager und gelb von Gelbsucht, kam im April 2011 zu uns und seitdem ist nichts mehr dasselbe. Alle Gefühle wurden auf einmal tausendmal größer. Die Freude über jeden kleinen Fortschritt, der Stolz über seine unbegrenzte Klugheit und Schönheit, die Verzweiflung, als er nur weinte und wir nicht wussten was wir tun sollten. Und dann auch diese Angst und Unruhe, die, wie ich jetzt erkannt habe, ein Leben lang anhalten wird.

Dann, nach nur etwas mehr als einem Jahr, kam unser kleines Sommermädchen mit halsbrecherischer Geschwindigkeit, kaum das ich Zeit hatte mich auf das Kreißbett zu legen. Ich erinnere mich an ihre roten Lippen und ihre rosa Haut, das warme samtige Gewicht als sie dort an meiner Brust lag. Es war so komplett, ein kleiner Sohn zu Hause und jetzt eine Tochter. Es war sommerwarme Luft in Göteborg, als ich am nächsten Tag das Krankenhaus verließ und dachte, jetzt habe ich alles.

So war es viele Jahre lang der Fall. Aber mit der Zeit wuchs bei uns wieder eine Sehnsucht. Dass es vielleicht noch jemanden gab, der zu unserer Familie kommen wollte. Es dauerte einige Zeit, aber in einer verschneiten Nacht im März 2018 wurde Edward geboren, der bereits am ersten Tag die Herzen aller gewann. Der Stolz und der Beschützerinstinkt strahlt um seine Geschwister und er gibt uns jeden Tag jede Menge Gelächter. Er ist derjenige, der alles ganz komplett gemacht hat. ♡

An welches Kind denkst du heute?

Hönökaka aus Hönö

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Im nördlichen Schärengarten von Göteborg liegt die schöne Insel Hönö. Der Name stammt offenbar von dem altnordischen Wort, hein, was Wetzstein bedeutet und sich auf die runden, abgeschliffenen Felsen der Insel bezieht. Das ist eines von den vielen schönen Dingen mit Bohusläns Inseln, die weichen runden Felsen die leise ins Meer verschwinden. Als wir zuletzt Hönö besuchten stürmte es und das Meer schäumte und war so herrlich smaragdgrün.

kaka bedeutet Kuchen oder Kecks auf Schwedisch“

Von Hönö kommt eines der beliebtesten Brote Schwedens, das so genannte Hönökakan. (Keine Sorge, kaka bedeutet Kuchen oder Kecks auf Schwedisch und kann entweder ein süßer Kuchen oder ein Stück Brot sein). Ursprünglich wurde das Brot von der Bevölkerung auf Hönö und den Inseln in der Nähe gebacken, aber heute steht die Industrie für die größte Produktion. Als ich klein war gab es das Brot oft bei uns zuhause. Das industriell produzierte Brot ist zwar recht süß und sehr weich, aber für mich ist es wie ein Stück Kindheit. Es versetzt mich zurück auf den weißen Rodelhang mit heißer Schokolade und dazu die eiskalten Hönökaka-brötchen.

Teig in vier respektive acht Stücke teilen.

Ich vermute, dass das Brot welches wir heutzutage in Schweden kaufen können nicht mehr soviel mit dem Original gemeinsam hat. Also habe ich versucht mein eigenes zu backen und es war echt gut! Es erinnerte mich an meine Kindheit, nur hatte es einen besseren Kauwiderstand und war zudem voller im Geschmack. Hier kommt das Rezept, ich habe gleich die doppelten Zutaten genommen um den Gefrierschrank zu füllen. (Leider war er nicht sehr lange gefüllt, weil die Kinder das Brot JEDEN Tag zum Frühstück wollten bis das Lager aufgegessen war.

Ungefähr 27 cm im Durchmesser.


Hausgemachte hönökaka

Die fertigen Brote in der Mitte schneiden und abkühlen lassen.

Zutaten für ca. 4 große runde Kuchen:

25 g Hefe
300 ml Milch, lauwarm
50 g Butter
2 EL Sirup (auch gut geht mit Honig)
1 TL Salz
150-200 g Roggenmehl (Type 610)
250-350 g Weizenmehl

Zubereitung:

  1. Die Hefe in einer Schüssel zerbröseln. Milch hinzufügen und umrühren, bis die Hefe sich auflöst. Gib unter laufendem Rühren Butter, Sirup, Salz, Roggen- und Weizenmehl. Rühre alles zu einem glatten Teig und knete ihn stark für ein paar Minuten. Den Teig unter einem Tuch für 50-60 Minuten gehen lassen.
  2. Teile den Teig in ca. 4 Stücke. Rolle den Teig in ca 27 cm große runde Formen aus. Als letztes mit einer genoppten Teigrolle rüber rollen. Falls keine „Knäckebrott“-Teigrolle vorhanden ist, mit einer Gabel ordentlich einstechen.
  3. Den Backofen auf 250°C Ober- und Unterhitzevorheizen.
  4. Lege den platten Teigkuchen auf ein Backblech mit Backpapier und lasse sie erneut abgedeckt 25 Minuten lang gehen.
  5. Backen Sie die Brote in dem Ofen für 6-8 Minuten bis sie eine feine Farbe haben. Auf einem Ofenrost unter einem Tuch abkühlen lassen.

Mit Butter bestreichen, Käse und Marmelade drauf. Zusammen mit einer Tasse Tee genießen!

Die schönste Zeit des Jahres ist hier

Ich habe Elisabeth gerade zur Schule geschickt, Julius ist mit etwas Fieber zuhause. Der Rest der Familie schläft noch eine kurze Weile. Das Haus ist so ruhig, wie es sonst fast nie ist, und das gibt meinen Gedanken Zeit, sich ein wenig auszudehnen. Ich habe irgendwo gelesen, dass die Corona-Krise bis hierhin viele Schweden im Allgemeinen glücklicher gemacht hat. Später werden sicherlich andere Informationen kommen, wenn die wirtschaftlichen Konsequenzen klarer werden und die Ängste vielleicht noch greifbarer werden. Aber für viele, auch für uns, hat sich das Leben etwas beruhigt. Fast nichts geschieht, weil so viel eingestellt wurde. Das ewige Jonglieren von Aktivitäten, Arbeit und gesellschaftlichen Treffen wurde gedämpft, die Anforderungen sind so viel geringer. Das Einzige Wichtige wird immer klarer, dass wir zusammenhalten und dass es meiner Familie gut geht.

Ich denke, wir setzen mit den Lichtblicken im Alltag von gestern fort. Wie so oft hier im Norden ist der Frühling in sehr kurzer Zeit explodiert. Zuerst ist es trübe, tot und trostlos für sechs Monate und dann kommt das ganze Grün und die Vegetation in ein paar Tagen und verändert die ganze Stimmung. Jetzt ist die schönste Zeit des ganzen Jahres da. Unsere kleine Stadt ist komplett eingebettet in schieres Blätterwerk, Tulpen und Kirschblüten. Oder wie hier, diese Traubenkirsche, die uns begrüßt, wenn wir die Tür öffnen.

Bei unserem Nachbarn, der ein sehr schöner Park mit mehreren hundert Jahren auf dem Buckel, ist die Aktivität wirklich im Gange.

Die Magnolie ist in voller Blüte, noch ein paar mehr zitternde Tage.

Der Kiesweg wird von den niedlichen Rentnern, die sich um den Park kümmern, ordentlich gerecht. Und so haben sie natürlich Frühlingszwiebeln gepflanzt.

Letzte Woche haben wir ja wie bekannt unseren Hochzeitstag gefeiert. In Österreich und vielleicht auch in den anderen deutschsprachigen Ländern feiert man offenbar die Rosenhochzeit…

… aber in Schweden wird der 10. Hochzeitstag Zinnhochzeit genannt. Ich habe ein Paar sehr schöne Zinnkerzenständer anno 1934 von Mario bekommen. Und ein kleines Paket aus meinem Lieblingsladen, Svenskt Tenn. Konnte nicht besser werden.

Am Hochzeitstag selbst regnete es, genauso wie an unserem Hochzeitstag vor zehn Jahren. Aber wir hatten meine Eltern als Babysitter und gegen Abend klärte es sich auf, so begaben wir es uns auf einen Spaziergang durch ein ödes Göteborg. Im Bältesspännarparken fühlte es sich an, als wären wir in Amsterdam gelandet.

Könnt ihr spüren, wie frisch die Abendluft nach dem Regen ist?

Einer der besten Orte Göteborgs, wenn man mich fragt, der Stadtpark Trädgårdsföreningen. Ich mag den Kontrast zwischen dem neuen und dem alten Schild hier am Eingang. Es ist ein herrlicher Park aus der Jahrhundertwende, mit großen antiken Gewächshäusern, die mit tropischen Pflanzen gefüllt sind, und dann gibt es ein schönes Café, Spielplätze und unglaubliche Bepflanzungen natürlich. Eine perfekte kleine Oase mitten im Zentrum.

Letzten Sonntag waren wir auf Orust, um unsere kleine Baustelle dort zu überprüfen. Die Kinder drehten eine kleine Runde auf der Fähre auf dem Weg nach Orust und wir fühlten, dass der Sommer ganz in Reichweite war.

Unser Kirschbaum, den wir letztes Jahr gepflanzt haben, blüht schon in diesem Jahr und der Ausbau ist langsam fertig, zumindest äußerlich. Wir haben alte Fenster und Türen gekauft, damit es sich gut in den ursprünglichen Teil einfügt.

Drinnen sieht es im Moment so aus. Nicht ganz fertig vielleicht, aber eine schöne alte Tür an Ort und Stelle. Liebe es, dass die Schwelle nach all den Jahren in seinem letzten Haus so abgenutzt ist. Es wird so schön werden. Hoffe ihr habt einen guten Tag. ♡

Der köstlichste Saft des Sommers

Gestern habe ich meinen Fliedersaft fertiggestellt, der ein paar Tage stand und gezogen hatte. Mir ist klar, dass der Flieder bei vielen von euch leider schon lange verblüht ist. Aber das Rezept ist es wirklich wert, für das nächste Jahr im Auge zu behalten. Der Saft war so lecker, frisch und fruchtig mit einem kleinen blumigen Ton. Er schmeckt nicht annähernd so intensiv, wie die Blumen riechen und bekommt zudem eine sehr schöne rosa Farbe.

Für ca. 2,5 Liter unverdünnten Saft:
– 35 Bündel Fliederblüten (ich habe lila Blumen verwendet)
– 4 Zitronen
– 4 Limetten
– 2 kg Zucker
– 50 g Zitronensäure
– 2 l Wasser

  1. Spüle die Fliederblüten in einem kalten Wasserbad.
  2. Die Zitronen und Limetten mit einer Bürste schrubben und in Scheiben schneiden.
  3. Lege schichtweise Fliederblüten mit Zitronenscheiben, Limettenscheiben, Zucker und Zitronensäure in eine Schüssel oder einen Eimer, der etwa 10 Liter fasst.
  4. Die 2 Liter Wasser zum Kochen bringen und über die Blumen gießen. Mit einem Holzlöffel gründlich umrühren und abkühlen lassen.
  5. Bedecke die Schüssel oder den Eimer mit einem Deckel oder einer Plastikfolie. Lege die Schüssel in den Kühlschrank oder an einen anderen kühlen Ort, oder verteile den Saft in kleinere Schüsseln. 4-5 Tage kalt stehen lassen. Einmal täglich umrühren.
  6. Die Blüten und Zitronenscheiben durch ein Sieb abseihen. Dann durch ein Siebtuch abseihen und in gut gereinigte Flaschen gießen.

(Wenn du die leeren Flaschen für 20 Minuten bei 100 Grad in den Ofen stellst, werden die Flaschen desinfiziert und der Saft hält länger.)

Hoffen ihr wollt es probieren. ♡

Die beste Art von Quarantäneaktivität mit (oder ohne) Kinder

Hej und hallo! Wie war eure Woche? Ihr seid einige die lesen, aber ich weiß so wenig über euch. Fühl dich frei, einen kleinen Kommentar oder eine persönliche Nachricht zu hinterlassen und erzähl mir wer du bist. Nur eine kurze Meldung, woher kommst du? Was machst du heute? Wie hat sich deine Welt in diesem Frühling verändert? Wäre so toll zu wissen! ♡

Letzte Woche war es ziemlich regnerisch, grau und trostlos hier an der Westküste, aber es gab ein paar Lichtschimmer, wie zum Beispiel der diesjährige große Eis-Test aller Neuigkeiten! Es gilt nämlich vorbereitet zu sein, wenn die warmen Sommertage kommen, sodass man nicht riskiert die falsche Eis-Sorte zu wählen. Der Test selbst fand an einem lauwarmen Abend in unserem Garten statt. Die Kinder hatten mit Fahnengirlanden den Garten geschmückt und die Stimmung war feierlich und ernst. Alle fühlten die schwere Verantwortung, den richtigen Sieger zu krönen.

Wir hatten mehrere Stücke aller sechs Eis-Neuigkeiten des Jahres gekauft und in kleine Stücke geteilt.

Trotz des hellen Frühlingsabends hatten die Kinder die Disco-Lampe eingeschaltet, um die Stimmung zu maximieren.

Alle mussten eine Bewertung zwischen 1-10 für jedes Eis setzen. Einige mussten mehrmals probieren, um ein endgültiges Urteil fällen zu können. Der diesjährigen Gewinner in der Kategorie Kinder und Erwachsene wurde *Fanfare* Magnum Salted Caramel & Glazed Almonds.

Eine echte 10-von-10-Aktivität für die ganze Familie. Ich bin davon überzeugt, dass es eine Tradition vor jedem Sommer sein wird.

Wünsche euch einen schönen Start in die Woche! Wir hören uns morgen. ♡

Julius neun Jahre – die Welt wird immer mehr zu deiner eigenen

Heute feiere ich neun Jahre als Mutter. Du und ich, Julius, wir haben als eins angefangen. Haben alles geteilt, sogar den Blutkreislauf. Von diesem umwälzenden Moment, als du auf meiner Brust lagst, waren wir einander immer nahe. Meine Welt war deine Welt. Ich lernte einen klugen Jungen kennen, mit samtigen Augen, unerschöpflicher Energie und starken Gefühlen. Du hast viel und früh geredet und wie wir geredet haben, du und ich. Wie bekannt, so vergeht die Zeit und jetzt lebst du ein wenig mehr in einer Welt, die nicht mir gehört. Genauso wie es sein sollte, werden jetzt andere Personen wichtig für dich. Und für jeden Tag der vergeht wirst du mehr und mehr deine eigene Person.

Aber manchmal bekomme ich einen Einblick in diesen schönen Geist, den du hast. Worüber du nachdenkst, was dich beunruhigt, nach was du dich sehnst. Ich beobachte dich von Zeit zu Zeit, sehe dir zu, wie zärtlich du bist, wenn du deinem kleinen Bruder hilfst, wenn er hinfällt. Oder wie du gewissenhaft eine Fliege vor dem Ertrinken in einer Pfütze rettest. Du befindest dich zwischen der magischen Welt des Kindes und der ernüchternden Sicht des Erwachsenen auf die Existenz. So groß und so klein. Sicherheitshalber und nur für den Fall, schreibst du einen Brief an den Osterhasen und sagst ihm, dass du dieses Jahr keine Süßigkeiten isst und dass du deshalb lieber Geld im Osternest haben möchtest falls das in Ordnung geht. Die Nachttischlampe sollte am Abend eingeschaltet sein, einen Scheinwerfer direkt ins Gesicht brauchst du um einschlafen zu können, um die Monster auf Distanz zu halten.

Gleichzeitig bist du dir auf einer neuen Weise bewusst was in der Welt geschieht, und du kämpft darum, deinen kleinen Teil davon zu erobern. Ich denke an all die Gefühle, die du hast, die ich nicht mehr teile, Gedanken die nicht immer auf die gleiche Weise aus dir sprudeln. Wie du vielleicht manchmal jemand anderes sein musst. Du schließt dich ein, hörst ein Hörbuch in deinem Zimmer, spielst einen Ball gegen die Wand. Denkst nach. Dennoch glaube ich, dass unsere Liebe zu dir genug ist, damit du dich getragen fühlen kannst, das Gefühl hast, dass du so sein kannst wie du bist, hier bei uns.

Heute Morgen weckten wir dich mit Gesang und Frühstück im Bett. Und du dachtest, es wäre der beste Tag der Welt…

…weil du die lang ersehnte Ronaldo Fußballkarte bekommen hast.

Herzlichen Glückwunsch an dich, Julius, und an mich, wo schon seit neun Jahren deine Mama sein darf. Du hast mich verändert, meine ganze Welt in jeder erdenklichen Farbe gemalt. Und erfüllte sie mit mehr Angst und mehr Liebe, als ich es mir an diesem kalten Donnerstag vor neun Jahren jemals vorstellen konnte.

Die erste Juniwoche in Bildern

Die Welt steht in Flammen, sowohl mit der Pandemie als auch mit dem verzweifelten Kampf gegen Rassismus und für etwas so Grundlegendes wie das Recht zu leben. Wir diskutieren natürlich das was geschieht, versuchen es zu verstehen und den Kinder zu erklären. Wie privilegiert wir sind, wir, die mit dem offensichtlichen Recht zum Existieren geboren wurden und die selten oder vielleicht nie mit Skepsis und Misstrauen begegnet werden, von Menschen die wir nicht kennen, einfach weil wir aussehen wie wir aussehen. Die Kinder hinterfragen das alles sehr. Sie haben Freunde aus der ganzen Welt, wäre einer von ihnen weniger wert? Es ist ein absurder Gedanke, den sie nie zuvor gedacht haben.

Gleichzeitig geht unser tuckerndes Leben im Kleinen hier in der Kleinstadt weiter. Es war eine Woche mit warmem Sommerwetter und wir haben uns die Zeit genommen, nach der Schule zu unserem kleinen Badesee zu fahren. Zu dieser Jahreszeit bekommen wir so viele Extrastunden hier oben, die Sonne will nie untergehen und alles ist möglich. Ich habe eine Pie gebacken, die wir mitgebracht haben, und das Abendessen wurde mit einem glitzernden Sommersee als Kulisse eingenommen.

Edward, der zuvor sehr abwartend auf Wasser reagiert hatte, genoss es, in das laue Wasser zu tauchen. Es war so viel wärmer als im Meer auf Orust, er hatte sogar Zeit, über andere Dinge nachzudenken, wie zum Beispiel ob der Schnuller fließen kann.

Mir ist sogar etwas gelungen, was ich für unmöglich hielt. Nämlich, mein Kleinster bekam ich zum Friseur. Ich habe bis aufs Letzte gewartet, um seine langen Haare zu schneiden, weil es doch so niedlich mit lockigen Jungs ist. Aber zuletzt war es vor allem ein verworrenes Vogelnest, das nie ausgekämmt werden konnte. Er war traurig, direkt als wir in den Salon kamen, aber mit Hilfe von Pippi im Handy und dass Elisabeth ihm ständig Schokoladenpralinen fütterte, so gelang es uns. Und er wurde so niedlich und plötzlich so groß.

Danach gingen wir zu seinem Lieblingsplatz und schauten uns die Lämmer an. Den ganzen Tag sah er mich von Zeit zu Zeit an und sagte „Haar schneiden“ oder „Friseur“, als ob er verarbeiten würde, was er durchgemacht hatte. Im Kindergarten am nächsten Tag fragte ein Kind in seiner Gruppe, wer der neue Junge sei.

Elisabeth hat mit ihrem Chor Abschluss gehabt und wir waren alle vor Ort, um das Konzert zu hören. Es hat etwas, mit spröden Kinderstimmen, die Lieder über den Sommer singen, die das ganze Herz erfüllt.

Sogar die schelmischen Brüder waren für einen Augenblick still und hörten zu.

Um dort zu enden, wo die Woche begann, war am vergangenen Sonntag Muttertag hier in Schweden. Mario war morgens nicht zu Hause, aber ich hörte, wie die großen Kinder schon um vor Sieben auf waren und in der Küche klapperten. Nach einer sehr langen Zeit, ging die Schlafzimmertür langsam auf und herein kamen die Kinder dieses Tablett tragend. So sorgfältig und schön arrangiert, sie hatten es sogar geschafft, guten (!) Kaffee zu brauen. Ich platzte fast vor Stolz. Edward wachte mit einem leicht überraschten Ausdruck auf, fand sich aber schnell wieder und begann, ein Geburtstagslied zu singen.

Damit wünsche ich dir einen schönen und sonnigen Freitag. ♡

#13: Das Fenster für den dritten Advent

Heute ist das Luciafest! Ein Fest, das uns daran erinnert, dass das Licht zurückkehren wird, was für uns normalerweise ein stimmungsvolles Konzert in der Kirche beinhaltet. Aber in diesem Jahr feiern wir stattdessen zu Hause und öffnen Fenster Nummer 13:

Zünde das dritte Lichtlein an und höre deine schönste Weihnachtsmusik.

Meine liebste Scheibe zu Weihnachten ist Elvis‘ Christmas Album von 1957 mit Blue Christmas. Welche Musik weckt die richtige Weihnachtsstimmung für dich? ♡

Aufwachsen mit Tieren

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Als Kind hätte ich so gerne einen Hund oder eine Katze gehabt. Meine Eltern sind jedoch völlig uninteressiert an Tieren, aber nach langem Nörgeln und Betteln habe ich Stampe bekommen. Ein kleines, verängstigtes, silbergraues Kaninchen. Ich war so glücklich über ihn, aber ich glaube nicht, dass meine Liebe beantwortet wurde. Ich dachte, Stampe und ich wären beste Freunde und er würde in meinem Zimmer schlafen. Stattdessen baute Papa einen Käfig und der stand draußen in einer dunklen Ecke des Gartens. Ich, wo so furchtbar Angst im Dunkeln hatte, (und wie ich mich erinnern kann, war es immer dunkel) lief nach der Schule mit pochendem Herzen hinaus zu ihm, warf eine Karotte rein, füllte Wasser und Pellets nach, sagte gute Nacht Stampe und rannte wieder hinein. Es wurde keine enge Beziehung. Im Sommer dagegen wurde das Leben für mich und mein kleines Kaninchen jedoch etwas mehr ereignisreicher. Meine beste Freundin und ich radelten mit unseren Kaninchen im Fahrradkorb (ääh?), brachten sie an den Strand und in den Wald. Ich glaube, sie haben es gehasst. Mit seinem kleinen rasenden Herzen unternahm Stampe viele Fluchtversuche, manchmal war er tagelang weg, bis ich es geschafft habe ihn mit einem Netz einzufangen. Fünf Jahre alt, endete seine letzte Flucht indem ihn die Katze des Nachbarn zu Tode biss. Ich begrub ihn in einem Schuhkarton voller Blumen, in einer anderen Ecke des Gartens.

Als Erwachsene konnte ich einen anderen Kontakt mit Tieren erleben, weit entfernt von Stampes tragischem Leben. Wir bekamen unsere Katzen, Morre und Smulan, als sie zwölf Wochen alt waren. Seitdem leben sie bei uns, haben auf unserem Schoß geschlafen und wir haben ihre Besonderheiten und Persönlichkeit kennengelernt. Geschwister sind sie, aber zwei völlig unterschiedliche Typen. Wenn unsere Kinder ihre Familie auflisten, sind wir immer sieben Stück, weil die Katzen selbstverständlich mitgezählt werden. So in der Nähe von Tieren aufzuwachsen, ist für die Kinder eine große Bereicherung. Sie erlernen den Respekt für andere Lebewesen und wissen wo die Grenze geht. Und nichts ist wohl tröstlicher als eine warme, schnurrende Katze, die nah zu einem kuschelt. Zeit, die man mit einer Katze verbringt, ist irgendwie nie verschwendet.

Die letzten drei Bilder in diesem Beitrag sind von Gastfotografin Amanda Falkman. www.frknfalkman.se

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#22: Lass das Licht herein

Mit nur wenigen Tagen bis Weihnachten öffnen wir das heutige Fenster und finden:

Beleuchte einen dunklen Ort.

Heute ist der dunkelste Tag des Jahres, danach bewegen wir uns helleren Zeiten zu. Nutze also die Gelegenheit, heute einen dunklen Ort zu erhellen. Vielleicht ein dunkler Teil des Gartens, deinen Balkon oder das Grab einer geliebten Person? Wir haben vier kleine Kellerfenster zur Straße hin, also dachte ich, dass ich kleine LED-Teelichter und einige andere schöne Dinge für die vorbeigehenden Leute aufstelle, anstatt leere dunkle Fenster.

Man kann das heute Fenster auch mehr symbolisch interpretieren und vielleicht die Dunkelheit eines Mitmenschen mit einer Blume oder einer kleinen Karte erhellen.

Wie machst du diesen Tag heller? ♡

Den Jänner überleben

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Jetzt in der kalten Jahreszeit geht es darum, sich mit Vitamin C einzudecken. Normalerweise mache ich einen Ingwer Shot, um Leben in meinem wintermüden Körper zu bringen und das Immunsystem zu stärken. Ingwer ist, wie du weißt, eine echte Superwurzel, mit entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften und hilft gegen fast alles. Hier kommt das Rezept:

1 Liter Ingwer Shot
Zutaten:
300 g frischer Ingwer
1 l Wasser
1/2 Tasse Honig
2 Zitronen
1 Chili
3 TL Kurkuma

Zubereitung:

  1. Den Ingwer inklusive der Schale grob reiben und ins Wasser geben.
  2. Auf dem Herd ca 20 Minuten erhitzen (nie über 60 Grad, sonst verschwindet alles Nützliche und Gesunde, verwende einen Thermometer). Normalerweise gebe ich hier schon Chili rein – scharf und gut für die Verbrennung!
  3. Den Ingwer in einem Sieb abseihen
  4. Den Honig dazu mischen, während es noch lauwarm ist (40 Grad)
  5. Abkühlen lassen, dann in die Zitronen einpressen und Kurkuma einrühren. Das Ganze abseihen und in eine Flasche gießen. Leg die Chili in die Flasche so sieht es schöner aus!
  6. Im Kühlschrank verwahren und ohne Probleme kann der Ingwer Shot einen Monat lang aufbewahrt bleiben. Zum Wohl!

Der Jänner ist ansonsten immer ein wenig ein deprimierender Monat, finde ich. Eigentlich der einzige Monat, der keinen besonderen Charme hat. Der Dezember mit seinem Höhepunkt Weihnachten mit all seiner Gemütlichkeit und gutem Essen ist vorbei. Die Weihnachtsdekoration, die ich vor einem Monat andächtig ausgepackt habe, fühlt sich kaum noch schön an und ich kann sie nicht schnell genug wegräumen. Die Geschäfte haben noch keine Zeit gehabt die Schaufenster zu ändern, überall sieht man datierte Weihnachtsfiguren und verspätete Aufrufe Geschenke zu kaufen. Obwohl hier im Norden der Winter gerade begonnen hat, sehne ich mich nach Frühling und Licht. Aber genug mit diesem Jammern, gestern fand ich heraus, dass es doch etwas Schönes mit dem Januar gibt. Semla-Premiere!

Semla ist ein Gebäck, das eigentlich mit der Fastenzeit verbunden ist, aber jetzt im Januar und Februar verkauft wird. Vielleicht so wie die Krapfen in Österreich oder Berliner in Deutschland. Während meiner letzten Schwangerschaft war ich völlig besessen von diesem Gebäck und Mario musste mir fast jeden Morgen eine Semla abholen während ich halb eingeschlafen auf der Couch wartete. Ganz richtig, denke ich, wenn die Schöpfung vor sich geht, musst man auf das hören was sein Körper will. Der Semla besteht aus einem Hefebrötchen, gefüllt mit einer „mandelmassa“ (marzipan­ähnlichen Masse) und Sahne. Wichtig ist, dass man seinen Semla an der richtigen Stelle kauft, denn Tankstellen und Supermärkte verkaufen blasse Varianten, die überhaupt nicht gut sind. Es sollte ein solides, festes Hefebrötchen mit Kardamom sein, Mandelmassa mit groben Stücken drin und gerade die richtige Menge Sahne. In unserer kleinen Stadt gibt es eine Sauerteigbäckerei, die die schmackhaftesten Semlor macht. Heute Morgen, als ich die Kinder zur Schule gebracht hatte, ging ich dorthin und holte zwei vorbestellte Backwerke für mich und Mario ab. Jetzt riecht es nach Kaffee aus der Küche und ich habe das feine Porzellan herausgeholt, um diesen Festtag zu markieren. Und schon in einer Minute ist es Zeit für die erste Semla des Jahres. Wir müssen uns im Januar ein wenig extra um uns selbst kümmern, sowohl für den Körper als auch für die Seele.

König Edward hält Hof

Unser jüngster, Edward, ist 5,5 bzw. 7 Jahre jünger als seine großen Geschwister. Diese Momentaufnahme von gestern ist typisch für das erhabene Leben, das er lebt. Seine Geschwister lieben ihn wirklich und sie machen alles, um den kleinen König bei guter Laune zu halten. Hier haben sie einen „Thron“ aus Kissen angeordnet und ihm sein Lieblingsfrühstück serviert, Joghurt und Omas hausgemachte Himbeermarmelade, auf einem kleinen Holztablett. Und haben ihm den Fernseher eingeschaltet, natürlich mit seiner Lieblingssendung Pippi Langstrumpf. Edward ist nicht besonders beeindruckt oder dankbar, sondern findet das Ganze vollkommen angemessen. Wo wird das alles Enden, kann man sich fragen?

♡ ♡ ♡ Frohe Weihnachten ♡ ♡ ♡

Hier zu Hause haben wir den Rekord in Bezug auf Gemütlichkeit gebrochen, die ganze Familie hat die gleichen Pyjamas an (ein bisschen Nerd-Alarm, aber zumeist niedlich), die Kinder hüpfen vor lauter Erwartungen und wir Erwachsenen genießen, dass der Weihnachtsurlaub begann. Es riecht nach Fichte, Weihnachtskaffee, Hausgemachtes und der weihnachtliche Brei köchelt auf dem Herd. Bald werden wir uns schön kleiden und zu meinen Eltern fahren, um das traditionelle Weihnachten zu feiern, wenn auch in kleinerer Gesellschaft als gewöhnlich. Aber zuerst müssen wir etwas sehr Wichtiges tun…

…nämlich, darauf achten dass unser schwedische Tomte seine gute Stimmung behält. Für den amerikanischen ho-ho-ho-Santa Claus habe ich nicht viel übrig, nein hier zu Hause ist es der nordische kleine Tomte, ein Wichtel oder Heinzelmännchen, der zählt. Wenn sich die Leute gut zu ihm verhalten, wird er das Haus segnen und Glück bringen. Aber er kann auch mürrisch und geradezu böse sein, vor allem, wenn die Leute ihn vergessen. So heute haben wir eine große Schüssel Reisbrei für den kleinen Tomten draußen auf der Treppe bereit gestellt und hoffen, dass er damit zufrieden ist.

Ich wünsche euch allen einen wirklich schönen Heiligabend!

Sonntagshaus: Der Traum eines berühmten Autors auf Gotland

Gotland ist Schwedens größte Insel in der Ostsee, etwa 100 km vom schwedischen Festland entfernt. Die gotländische Natur unterscheidet sich deutlich vom Rest Schwedens. Ein karges Kalkstein­plateau hat zu einer eigentümlichen Artenfauna geführt und viele ungewöhnliche Pflanzen gedeihen im milden Klima. Gotland wird von freundlichen Menschen mit Schwedens (meiner Meinung nach) charmantesten Dialekt bevölkert. In der größten Stadt Visby mit ihrer mittelalterlichen Ringmauer und ihren blühenden Alleen und Gassen wurden die Filme über Pippi Langstrumpf eingespielt.

Aber das heutige Sonntagshaus hat eine Kopplung zu einem anderen schwedischen Bestseller, nämlich Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Habt ihr den Roman gelesen? Unser Objekt des Tages gehört niemand anderem als dem Autor selbst, Jonas Jonasson und liegt in einer schönen ländlichen Umgebung etwas außerhalb von Visby.

Hier liegt sein schöner Hof, eingebettet ins Grüne und umgeben von Ackerland. Das für Gotland so typische Sandsteinhaus ist natürlich das Kronjuwel unter den anderen Gebäuden des Hofes.

Die Tür ist offen, also schleichen wir doch die sonnengewärmte Treppe hinauf und schauen hinein.

Hier von der Veranda hat man die volle Aussicht über den Innenhof. So schön mit einem runden Platz vor dem Haus.

Wir betreten den Flur und sehen die Küche auf der einen Seite und…

…das Wohnzimmer auf der anderen. Schaut euch die tiefen Fensternischen an, groß genug, um sich rein zu setzen…

…und die Wärme des Kachelofens zu genießen. Nicht so besonders, aber sehr schön mit seinen Fliesen in verschiedenen Schattierungen. Es gibt so viel schönes im Hof, deshalb denke ich, dass wir wieder raus gehen.

Allein das kleine Gästehaus ist fast einen eigenen Eintrag wert. Mir gefiel besonders das Schlafzimmer, mit der schönen, sanften Tapete. Und die Farbe der Leisten und der Fenster. Okay, lasst uns wieder nach draußen gehen.

Wir nehmen den kleinen Sandsteingang in Richtung Terrasse.

Hier zwischen den Buschrosen wärmt die Sonne auf mediterranes Niveau, so dass wir uns für eine Weile hinsetzen.

Etwas weiter entfernt sehen wir das hier. Orangerie mit einer großem O. Was für ein Traum! Was denkst du Mario, wir könnten doch schnell eine solche auf Orust bauen? Dachte ich mir doch.

Die alte Scheune hat Jonas (oder vielleicht hat er Hilfe gehabt?) vorbildlich zu seinen Ursprüngen restauriert. Er baute hier auch einen Hubschrauberhangar für den Hausbedarf.

Hier ist auch das Büro, wo der Hundertjährigen geschrieben wurde. Kein Wunder, dass es gut gelaufen ist, mit einer so inspirierenden Umgebung. Wenn du ein Autorenleben auf Gotland führen willst, musst du deine große Geldtasche mitnehmen, für etwa 1.000.000 Euro ist das Anwesen dein.

Besuche Gotland, wenn es dann irgendwann wieder geht und du die Möglichkeit hast, aber vermeide Juli und die erste Hälfte im August, weil da ist die Insel von Stockholmern überfüllt.

Ich hoffe, du hast einen schönen und sonnigen Sonntag. Pass auf dich auf. ♡

Corona: Dinge die ich vermisse, nicht vermisse, nicht vermissen werde und nicht vergessen werde

Die sehr inspirierende Seite manrepeller.com machte eine Art Liste, die die Gefühle rund um Corona zusammenfasste und ich denke dieses Konzept schlicht und einfach zu stehlen.

Hier ist meine Liste, Bitteschön:

Dinge, die ich vermisse:

  • An einem sonnigen Sommerabend auf einer überfüllten Restaurantterrasse zu sitzen, ohne mehr darüber nachzudenken.
  • Die Hände schütteln, wenn man eine neue Person trifft. Es ist irgendwie so menschlich und es gibt nichts, was es ersetzen kann.
  • Seine engen Freunde zu umarmen.
  • Soziale Zusammenkünfte, spontane und geplante, die eine Menge neue Energie geben.
  • Glückliche Menschen auf der Straße.
  • Das Gemurmel vieler Leute, die eine nette Zeit in einem Restaurant haben.

Dinge die ich nicht vermisse:

  • Menschen umarmen, die man kaum kennt.
  • Alle gesellschaftlichen Zusammenkünfte, die mehr Stress als Bedeutung erzeugen.
  • Updates auf Instagram mit Fotos von weit entfernten Reisen.
  • Das Gefühl, Dinge zu versäumen, nicht ausreichend zu sein für alles was man machen will für andere und für einen selbst.

Dinge die ich nicht vermissen werde:

  • Den Atem anzuhalten, wenn man an einem Fremden vorbei läuft.
  • Umwege im Kaufhaus gehen, um mit niemanden zusammen zu stoßen.
  • Die trockenen und aufgesprungenen Hände der Kinder.
  • Das Gefühl von Handdesinfektionsmittel in blutenden rissigen Wunden.
  • Der polarisierende und gehässige Ton, der überall aussickert, wo jeder denkt zu wissen, was niemand wirklich weiß.

Dinge die ich nicht vergessen werde:

  • Als ich, an einen frühen Zeitpunkt der Pandemie die Hand ausstreckte, um einen neuen Bekannten zu begrüßen, und ich auf einen Ellenbogen traf.
  • Als meine Tochter mich fragte, ob ich an Corona sterben würde.
  • Wie die Menschen sich gegenseitig in der Krise unterstützen, all die schönen Initiativen die überall gestartet werden, all den Einfallsreichtum den wir alle in uns haben.
  • Dass, wenn sich die Dinge zuspitzen, es so unglaublich deutlich wird, was wirklich etwas bedeutet.

Wie sieht deine Liste aus? ♡

Ein Sommernachtstraum

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In der Folklore der alten Bauerngesellschaft war die Mittsommernacht wichtig und galt als Nacht voll von Magie. Diese Nacht verwischte die Grenze zwischen der Welt der Menschen und dem Übernatürlichen. Die Natur füllte sich mit mystischen Kräften und übernatürliche Wesen waren besonders aktiv. Der Tau, der am Mittsommer auftrat, hatte unterwürfige Wirkungen und sich nackt im Tau rollen oder den Tau in Laken und Hemden aufsammeln galt als gesund. Man konnte auch einen Kranz mit Mittsommerblumen aufbewahren und zu Weihnachten ins Bad legen.

So wie viele große Feiertage galt der Mittsommer als besonders gut geeignet, um Ereignisse über die Zukunft vorherzusagen. Wer sterben wird, ob die Ernte gut wird oder wer auf dem Weg zum Heiraten ist. Zu Mittsommer waren Liebesprophezeiungen besonders beliebt. Mit der Magie der Nacht konnten junge, unverheiratete Frauen herausfinden, mit wem sie ihr Leben teilen sollten.

Es gab verschiedene Möglichkeiten um herauszufinden, wer der beabsichtigte Ehepartner war. Einer der Bräuche, die heute noch leben, ist sieben Arten von Blumen zu pflücken und sie unter das Kopfkissen zu legen. Dann wird der zukünftige Mann in der Nacht im Traum erscheinen. Meine Freunde und ich haben das oft getan als wir Kinder waren. Einmal träumte ich von meinem Großvater und wachte erleichtert darüber auch, dass ich keinen gleichaltrigen, nervigen Jungen heiraten musste. Mein Großvater war doch freundlich und gut, dachte ich, aber mein Gefühl verratet wohl mein junges Alter und meinen mangelnden Einfühlungsvermögen in der Erwachsenenwelt zu dieser Zeit.

Wenn das nicht so schlecht funktionieren sollte wie für mich, gibt es ein paar Dinge zu beachten. Hast du deine nicht unter Naturschutz gestellten Blumen in aller Stille gepflückt (schon dort war es wahrscheinlich für mich gelaufen)? Unter dein Kopfkissen gelegt und auch noch über sieben Zäune gesprungen? Ja, in diesem Fall sollte es wasserdicht sein. Viel Glück! ♡

Überrasche mit schönen Apfelrosen

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Jemand fragte, was das für feine Gebäcke waren im gestrigen Post, so dachte ich, dass ihr das Rezept dazu bekommt. Sie sehen viel komplizierter aus, als sie tatsächlich sind und schmecken echt köstlich. Sehr schön, eine Apfelrose als Weihnachtlichen Nachtisch zu servieren. Hier kommt das Rezept:

Zutaten:
– 1 Rolle gekühlter Blätterteig, 250 g
– 30-50 g weiche Butter
– 2-3 EL Zucker
– 1-3 TL Zimt
– ca. 2 Stück rote Äpfel
– ca. 3/4 dl Wasser
– Saft aus einer Zitrone
– 1 Ei zum Einpinseln

So geht’s:

  1. Butter sehr dünn auf dem Blätterteig verteilen, nur so, dass Zimt und Zucker darauf haften bleibt. Mit Zimt und Zucker bestreuen. Etwa 5 cm breite Streifen schneiden.
  2. Die Äpfel teilen, entkernen und in sehr dünne Scheiben schneiden. Wasser und Zitronensaft in einer mikrosicheren Schüssel mischen. Die Apfelscheiben, vorzugsweise in zwei Durchgängen, reinlegen und für ca. 2 min in die Mikrowelle, bis sie leicht erweichen. Abtropfen lassen. Die Apfelscheiben abwechselnd auf einem 5cm breiten Blätterteigstreifen verteilen, so dass sie an der einen Kante leicht hervorschauen. Den Streifen zu Rosen aufrollen und in robuste Muffinsformen geben.
  3. Mit Ei bestreichen und bei 200 °C für 20-25 Min. backen lassen oder bis sie eine schöne Farbe bekommen haben und gut aufgepufft sind.

Es wird sehr lecker wenn du sie mit Vanillesoße oder Vanilleeis servierst. Hoffe du willst testen. ♡

Alle Bilder in diesem Beitrag sind von Gastfotografin Amanda Falkman. www.frknfalkman.se

Tag 1 in Stockholm: Skansen

Letzten Freitag, als wir in Stockholm aus dem Zug stiegen, wurden wir von der Hauptstadt begrüßt, die buchstäblich von der Sonne durchdrungen und so frostig schön war, dass man nur vor der Schönheit der Stadt resignieren konnte. Stockholm war nie wirklich meine Stadt. Eher wie diese beliebte Clique in der Schule, der man nie wirklich angehören durfte, aber im Heimlichen bewunderte. Aber am vergangenen Freitag lud Stockholm zum Tanzen ein und ließ uns dabei sein. Die Kinder und ich kamen zur Mittagszeit an und sollten selbst zurechtkommen bis mein Bruder von seiner Arbeit kam. Es macht mich immer ein bisschen nervös, weil ich es so gewohnt bin, einen Begleiter durch Stockholms geschäftige U-Bahn-System zu haben. Aber wir hatten wirklich Glück und fanden die Straßenbahnlinie Nummer 7 direkt und begaben uns in Richtung Stadtteil und Halbinsel Djurgården und unser Ziel, Skansen.

Skansen ist ein Freilichtmuseum über die Geschichte Schwedens. Hier gibt es Gebäude aus verschiedenen Epochen die aus dem ganzen Land geholt wurden. Es gibt auch nordische Tiere wie Elche, Bären, Wölfe und Luchse. Es ist wie eine kleine Miniwelt aus einem vergangenen Schweden und absolut wunderbar schön mit seinen Gärten, Kirchen und unzähligen Spielplätzen eingerichtet. Skansen ist groß und braucht viele Stunden, um es zu entdecken. Da wir nur wenig Zeit hatten, beschlossen wir, in den alten Stadtvierteln zu starten.

Hier gibt es eine Bäckerei…

…mechanische Werkstatt und Schreinerei…

…und eine Töpferei, die die erstaunlichste Keramikkunst verkauft.

Alles ist so authentisch und schön und es fühlt sich genauso an, als würde man hundert Jahre zurück in die Zeit reisen. Ich liebe es, wenn es so durchdacht ist, keine Souvenirs in knalligen Farben die die Kinder anziehen oder große Kioske mit Süßigkeiten überall. In den Stadtvierteln kann man in altmodischen Geschäften einkaufen.

Wir haben die Eisenwarenhandlung inspiziert.

Sie verkauften Kockums Jernverks Emaille, die vor einigen Jahren ihre Produktion wieder aufnahm, nachdem sie für lange Zeit geschlossen war. Zuvor habe ich auf jedem Flohmarkt nach Kockums Emaille gesucht, aber jetzt kann man also mit neu produziertem ergänzen. Normalerweise haben wir die Tassen am Strand für Kaffee und Saft. So ein strapazierfähiges, haltbares und feines Material, als Alternative zu Kunststoff!

Im selben Haus wie die Eisenwarenhandlung befindet sich die Residenz des alten Eisenhändlers. Ein komplettes Heim aus den 1930er Jahren. Die Kinder, die daran gewöhnt sind, in älteren Häusern mit antikinteressierten Eltern zu leben, dachten, es sei wie ein normales Zuhause. ♡

Hier arbeitete eine Frau, in zeitgenössischen Kleidern gekleidet, und erzählte den Kindern vom Leben im Haus. 

Das Radio spielte alte Programme mit forcierten Stimmen und auf dem Küchentisch lag Husmodern, Schwedens beliebteste Wochenzeitung zu dieser vergangen Zeit.

Wir kamen wieder heraus, schauten uns das Lebensmittelgeschäft Konsum und seine Benzinpumpe an.

Als wir im Stadtviertel fertig waren, entdeckten die Kinder die Eislaufbahn und wollten unbedingt Schlittschuhlaufen. Da habe ich nichts dagegen, ich denke selbst es macht so einen kindischen Spaß zu fahren. (Obwohl es offensichtlich nicht wie Radfahren ist, die Kenntnis geht verloren, wenn man nicht trainiert).

Wir mieteten Schlittschuhe und drehten unsere Runden, begleitet von klassischer Musik, und die Kinder kamen schnell hinein.

Ich musste sie zum Schluss von der Bahn ziehen, als sie kalt und nass wurden. Wir gingen in Richtung des niedlichen Cafés Petissan.

Das Café öffnete 1870 zum ersten Mal die Türen und wurde schnell bei den Stockholmer Studenten beliebt. 

1907 wurde das ganze Haus nach Skansen verlegt…

…und damals wie heute servieren Sie Sandwiches, Gebäck und Mittagessen in einer fantastischen Umgebung der Jahrhundertwende. Verpasse nicht den schönen Innenhof an sonnigen Tagen.

Die Zeit in Skansen verging wie im Flug und bald würden wir nach Hause gehen. Aber zuerst noch eine kleine Rundfahrt durch die Gegend.

Wir sahen uns die schöne Seglora Kirche an, die aus Holz im Jahre 1729 gebaut wurde.

Es ist leicht zu verstehen, dass es eine beliebte Kirche für Hochzeiten ist. Schau dir doch einfach die schönen Dekorationsbilder an, was für eine Arbeit.

Wir sind zwischen den schönen Gebäuden weitergezogen. Wieder einmal habe ich eingesehen, wie schön es mit grünen Zäunen rund roten Hütten ist. Muss versuchen, Mario davon zu überzeugen, dass wir es so auf Orust haben sollten.

Wir hatten auch Zeit, um die Wölfe zu begrüßen, aber die Bären waren immer noch im Winterschlaf, zur großen Enttäuschung der Kinder. Auf dem Weg nach draußen schauten wir durch die Fenster des Skansen-Aquariums und träumten davon, Schlangen und Reptilien zu betrachten. Es wird das nächste Mal sein, denn wir werden sicher immer und immer wieder hierher kommen. Ich kann einen Besuch in Skansen nicht genug empfehlen, ein kulturelles Erlebnis für Groß und Klein. Es ist wirklich ein magischer Ort, an dem die Vergangenheit auf die Gegenwart trifft, voller Fakten und Phantasie. ♡

Ps.: Jetzt ist auch Teil 2 online – schau doch hier und lese wie es am nächsten Tag weiterging. ♡

Göteborger Riemenfabrik – ein unerwarteter Erfolg

An diesem Wochenende waren die Kinder und ich in Göteborg unterwegs. Zufällig sahen wir einen schönen kleinen Innenhof und ein Schild mit dem Text „offen“ das uns durch ein grünes Tor lockte.

Als wir eintraten, schleuderte es uns direkt hundert Jahre zurück in der Zeit. Wir waren in Göteborgs Remfabrik gelandet, die heute ein Museum und Zentrum für Textilkultur ist. Zudem eines der am besten erhaltenen Industriegeschichtlichen Milieus Schwedens aus dem frühen 20. Jahrhunderts. Es sah so aus, als ob die Angestellten einfach ihre Werkzeuge weggelegt und Feierabend gemacht haben.

Es gab so viel für die Kinder zu entdecken!

Spannende Maschinen…

…alte Gebrauchsgegenstände…

und ungewöhnliche Geräusche und Gerüche.

Große Säle mit rustikalen Holzböden, abgenutzten Kalksteintreppen und Wände voller Erinnerungen.

Oder wie hier, das Büro des Vorarbeiters, so hinterlassen wie es an seinem letzten Arbeitstag aussah. Im Museum arbeiten echte Enthusiasten, die sich leidenschaftlich für die Erhaltung des Wissens der älteren mechanischen Textilindustrie einsetzen. Sie warten und reparieren die Maschinen, aber sie verwenden sie auch, um verschiedene Produkte zu produzieren, die dann in ihrem kleinen Geschäft verkauft werden.

Die Kinder durften versuchen zu weben. Elisabeth war wirklich gefesselt davon und webte methodisch eine Reihe nach der anderen, während das hilfsbereite Personal ihr zujubelte.

Julius durfte auf einer großen Leiter weben und dachte, wir sollten eine ähnliche für Orust in diesem Sommer arrangieren.

Wir bekamen eine Demonstration von einer Schnürmaschine. Sowohl ich als auch die Kinder stellten fest, dass wir nie darüber nachgedacht haben, wie eine Schnur hergestellt wird. Der nette Mann schnitt den Kindern je ein Stück Schnur ab, die sie andächtig entgegen nahmen.

Wir haben auch gesehen wie ein mechanischer Webstuhl funktioniert und der Lärm war wirklich ohrenbetäubend. Wir haben versucht uns vorzustellen wie das Arbeitsumfeld gewesen sein muss, als dort alle Maschinen gleichzeitig gelaufen sind. Der Guide erzählte uns von einer anstrengenden, lauten und staubigen Arbeit. Im Winter war es zudem eiskalt in den unbeheizten Räumen. Der Arbeitsschutz war unzureichend, es fehlten Personalräume und das Gehalt war niedrig. Trotzdem fühlten sich die Mitarbeiter wohl und blieben viele Jahre dort, laut alten Interviews mit den Angestellten.

Unser ungeplanter Besuch war wirklich ein Erfolg! Die Kinder wollten sich nicht mehr von den Maschinen losreißen, aber am Ende mussten wir doch gehen, jedoch mit neuem Wissen und neuen Einsichten. Als wir nach Hause kamen, nadelten die Kinder ihre Schnüren in ihren Zimmern an die Wand. Sie hatten etwas Großartiges erlebt: „Wir waren dabei, als diese Schnur gemacht wurde, Mama.“ ♡

Mittsommer 2020

Die Mittsommernacht begann mit strahlender Sonne und drückender Hochsommerhitze. Alleine das machte es ziemlich ungewöhnlich, weil das Wetter normalerweise ein bisschen instabil und kühl ist.

Da wir keine Feier mit der traditionellen Mittsommerstange besuchen konnten, mussten wir zum ersten Mal selbst eine arrangieren. Mario war tapfer als Pollenallergiker zugleich Österreicher der sich für das Team einsetzte. Birkenruten geholt, Kränze gebunden und die Stange in den Rasen geschlagen. Das löste einen leichten allergischen Schock aus, aber die Mittsommerstange kam an Ort und Stelle.

So schön wurde sie.

Mein Bruder, sein Sohn und seine Lebensgefährtin kamen zum Mittsommer-Lunch. Das meiste davon wurde im Handumdrehen konsumiert, so dass es nicht so viele Fotos gab. Beim Mittagessen gab es das gewöhnliche: Hering, Fleischklößchen, Frühkartoffeln, Knäckebrot, Eier und verschieden Zwiebelsorten mit Sauerrahm.

Edward war niedlich, aber ein wenig skeptisch gegenüber den mittsommerlichen Speisen. Er nahm lediglich einen ganzen Teller voll mit Onkel Henriks berühmten Fleischbällchen. Eine zuverlässige Wahl.

Matilda, die Freundin meines Bruders, hat die Geduld eines Engels mit Elisabeths Friseur-Spielen und lässt sie flechten, kämmen und tun, solange sie will. Schön, dass es so nette Erwachsene rund um unsere Kinder gibt.

Dann war es Zeit, um die berühmte Stange zu tanzen. Die Kinder hatten eines der berühmtesten Lieder umgeschrieben, mit einem Text über das Corona-Virus. Sie wollten aber, dass ich nicht filme, sonst wäre es wahrscheinlich ein viraler Erfolg geworden.

Der Mittsommertanz endete wie es sich gehörte, mit der Rakete.

Als der Tanz vorbei war, haben wir Kaffee und Torte im Speisesaal aufgetischt, weil es aus dem Nichts zu regnen begann. Erdbeerkuchen, das wirklich ein Muss ist, um das richtige Gefühl zu Mittsommer zu bekommen. Ich hatte eine klassische Variante gemacht, mit einem Zuckerkuchen- und Meringueboden und mit Sahne, Beeren, weißer Schokolade und Basilikum gekrönt. Lecker!

Nach dem Kaffee gingen wir zu einigen guten Freunden, um den Nachmittag und Abend dort zu verbringen. Sie haben drei Kinder im gleichen Alter wie wir, und die Kinder kennen sich bereits ihr ganzes Leben lang. Sie hatten auch ihre eigene Stange gemacht, etwas kleiner aber in der Ausführung schlug sie unsere. 🙂

In dieser Familie sind sie irgendwie professionelle Partyplaner und die Feier begann damit, dass ihre Neunjährige ein Musikquiz für alle vorbereitet hatte. Erwachsene traten gegen die Kinder an.

Der Kampf ging weiter. Mit dem Tauche-den-Stift-in-die-Flasche-Spiel…

Elfmeterschießen und viele andere Wettkämpfe. Wir Erwachsenen haben die Kinder mit dem knappsten möglichen Abstand geschlagen, aber es war wahrscheinlich das letzte Jahr, glaube ich.

Am Abend hatte sich der Regen verzogen und die Luft war lauwarm. Lachs wurde auf einem Birkenscheit gegrillt.

Die beiden kleinsten Kinder hingen den ganzen Abend mit und spielten nur. Hier stellte sich Edward auf die Rutsche und rief. „Papa, Foto machen.“ Kind des Tages ♡

Das Abendessen schloss mit einer wunderbaren Key Lime Pie ab, muss doch echt das beste Sommerdessert sein? Das war unser Mittsommer, er wurde nicht so wie jedes andere Jahr, aber trotzdem sehr schön. ♡

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